Die Polen und Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg (1914-1918)

25.01.2018, godz. 18:30 - 20:00

Polnische Akademie der Wissenschaften - Wien/Polska Akademia Nauk - Wiedeń
Boerhaavegasse 25, 1030 Wiedeń

 

Vortrag von Dr. Jakub Forst-Battaglia, ehemaliger österreichischer Diplomat, Historiker und Slawist

Der Ausbruch des Krieges 1914 zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich einerseits und Russland andererseits eröffnete von Anfang an neue Perspektiven für die mögliche Wiederherstellung einer Staatlichkeit Polens, sollten mehr oder minder weite, ehemals polnische Gebiete des Zarenreiches von den Mittelmächten erobert werden. Vor allem die Habsburgermonarchie mit ihrer jahrzehntelangen polenfreundlichen Politik ließ Galizien als mögliches "polnisches Piemont" erscheinen, von dem die Wiedervereinigung des geteilten Landes ausgehen könnte. So bildeten sich ab August 1914 ein Oberstes Polnisches Nationalkomitee(NKN) aus zivilen Politikern aller Parteien und polnische Legionen unter der Führung von Józef Pilsudski heraus, die diesem Ziel dienen sollten. 1915 besetzten die Mittelmächte Kongreßpolen, 1916 brachte das Zweikaisermanifest vom 5.November die Aussicht auf ein freies Polen. Allerdings gab es mehrere Auffassungen über die territoriale Ausdehnung und das institutionelle Gefüge eines polnischen Staates: Trialismus Österreich-Ungarn-Polen, Subdualismus Österreich-Polen, habsburgische Sekundogenitur in Warschau in Anlehnung an Berlin oder Wien, ja verkleinerter polnischer Pufferstaat unter Kontrolle der Deutschen. Was sollte mit Galizien geschehen? Als ganzes angliedern an Kongreßpolen oder teilen zwischen Polen und Ukrainern? Mit dem Brotfrieden von Brest-Litowsk zwischen den Mittelmächten und der Ukrainischen Rada, die als Folge der Russischen Revolution entstanden war, wurde das Verhältnis der Polen zu Wien arg zerrüttet. Seit November 1916 und gar seit der bolschwestischen Machtübernahme in Rußland mußten auch die westlichen Ententemächte die Unabhängigkeit Polens auf ihre Fahnen schreiben. Was bedeutete das alles für die Chancen auf eine austropolnische Lösung? Die vielen Optionen und Meinungen , auch die starke Rivalität um Polen zwischen Wien und Berlin bis zur Niederlage der Mittelmächte und der Wiedererrichtung Polens im November 1918 kommen bei dem Vortrag zur Sprache.

Dr. Jakub Forst-Battaglia, ehemaliger österreichischer Diplomat, Historiker und Slawist, versucht einen Überblick über diesen komplexen Themenkreis als Auftakt zum Jahr der 100.Gedenkens der Wiedererrichtung der Republik Polen.

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